Zum Ende von Wehrpflicht und Zivildienst sowie zum Start des Bundesfreiwilligendienstes und des Freiwilligen Wehrdienstes warnt der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) vor Panikmache. „Es wird weder in der Bundeswehr noch in den Sozialsystemen auf Dauer einen Notstand geben. Und wenn, dann ist es nicht die Schuld junger Menschen. Es gibt genügend Jugendliche und junge Erwachsene, die sich engagieren und das auch in Zukunft tun“, so BDKJ-Bundespräses Pfr. Simon Rapp.
Mit dem Wegfall der sicherheitspolitischen Notwendigkeit der allgemeinen Wehrpflicht und der zunehmenden Wehrungerechtigkeit sei die Voraussetzung staatlicher Zwangsdienste schon lange nicht mehr gegeben gewesen. „Deren plötzliches Ende verändert jetzt die Lebenswelt junger Erwachsener“, so Rapp. „Junge Menschen sollen und wollen einen Beitrag für andere Menschen und für unsere Demokratie leisten. Sie wollen sich engagieren und lernen.“ Damit die neuen Dienstformen angenommen werden, müssen sie aber auf die Interessen und Bedürfnisse junger Menschen zugeschnitten werden.
Beim Aufbau des Bundesfreiwilligendienstes (BFD) müsse es in erster Linie um die Entwicklungschancen von jungen Menschen und nicht nur um die Engpässe in sozialen Einrichtungen gehen, die durch die Aussetzung des Zivildienstes entstehen. Der BDKJ setzt sich dafür ein, dass der BFD neben dem bewährten Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) aufgebaut wird. „Und zwar als Lerndienst und Bildungsjahr, arbeitsmarktneutral und in zivilgesellschaftlicher Trägerschaft“, so Rapp. Alle Beteiligten seien auf einem guten Weg, den BFD als sinnvolle Ergänzung zum FSJ auf den Weg zu bringen.
Deswegen sei es unredlich, dass soziale Einrichtungen Freiwillige als Ersatz für den Zivildienst forderten. „Der Zivildienst war immer Teil der Wehrpflicht und schon vor Bekanntwerden der Aussetzung gab es einen Mangel an Zivis. Deswegen ist es unlauter, jetzt den Zusammenbruch der sozialen Sicherungssysteme zu beschwören und das auf dem Rücken junger Menschen auszutragen“, so Rapp. Der Plan stehe, Lücken mit einem Mix aus Erwerbsarbeit, Minijobs und Freiwilligen zu schließen.
Der BDKJ betont, dass ein massiver Ausbau des BFD nicht kurzfristig gelingen muss. „Junge Menschen müssen überzeugt und geworben werden, ihnen muss ein Mehrwert angeboten werden. Die Gesellschaft muss Anreize bieten, sich für ein Jahr gegen eine Taschengeldzahlung in sozialen Einrichtungen zu engagieren“, so Rapp. Dafür müsse Politik vernünftige Rahmenbedingungen bieten. Dazu könne auch eine Verlängerung des Kindergeldanspruchs in Jugendfreiwilligendiensten um die Dauer der Dienstzeit gehören.
Auch die Umwandlung der Streitkräfte in eine Berufsarmee dürfe jungen Menschen nicht zum Nachteil gereichen. Das Leitbild des „Staatsbürgers in Uniform“ beinhalte, dass sich junge Erwachsene in der Zeit bei der Bundeswehr anders entscheiden und ohne Nachteile einen anderen Beruf ergreifen können. „Der Dienst für junge Soldatinnen und Soldaten muss daher auch als sozialer Lerndienst konzipiert sein“, so Rapp.
Insgesamt beklagen die katholischen Jugendverbände, dass die Gesellschaft widersprüchliche Signale sende. „Zum einen fordert sie, sich Zeit für andere zu nehmen, zum anderen zwingt sie junge Menschen mit Verkürzung von Ausbildung, Schule und Studium, sich zu beeilen. In dieser Situation Freiwillige zu werben, ist nicht einfach“, so Rapp.







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